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Die Wohlenberg-Sage

Die Sage von der goldenen Wiege im Wohlenberg

 

In alter Zeit lebten im Wohlenberg bei Leiferde die Zwerge. Sie gruben und suchten im Berginneren nach Gold und Silber. Ihren Durst löschten sie an der Quelle, dem Twargborn (Zwergbrunnen), und wenn sie ihre Krüge mit Wasser gefüllt hatten, gingen sie den Twargstieg (Zwergenstieg) hinauf. Twargborn und Twargstieg sind noch heute am Wohlenberg zu sehen.

 

Wohlenberg-Sage Denkmal in Leiferde, Foto: Erdmenger
Wohlenberg-Sage Denkmal in Leiferde, Foto: Erdmenger

Zu den Zwergen war eines Tages ein Mädchen gekommen und bei ihnen geblieben. Sie hatten es freundlich aufgenommen, denn es war ein Kind guter Leute und hielt den Zwergen mit Fleiß die Wohnung sauber, kochte Essen und machte die Betten. Sie trugen es förmlich auf Händen, denn so lieb hatten sie es gewonnen.

 

Als die Männlein eines Abends von ihrer Arbeit nach Hause heimkehrten, erschraken sie sehr, denn das Mädchen war krank. Und so sehr sich die Zwerge auch mühten, es liebevoll pflegten und ihm allerlei heilende Mittel eingaben, blieb ihr emsiges Bemühen doch vergeblich. Noch in derselben Nacht starb das Mädchen. Die Zwerge waren sehr traurig und weinten drei Tage lang, dass es weithin schallte.

 

Dann holten sie Gold und Silber aus ihrer Schatzkammer und formten eine goldene Wiege. Da hinein legten sie das tote Mädchen. Die Wiege setzten sie auf einen Wagen, spannten Hirsche davor, und dann bewegte sich der Trauerzug mit allen Zwergen durch den dunklen Wald. Irgendwo auf dem Wohlenberg hielten die Tiere. Hier schaufelten die Zwerge eine Grube, senkten die goldene Wiege hinein, ebneten die Grabstelle und pflanzten eine blaue Osterblume darauf. Kein Mensch sollte die Stelle finden, wo das geschehen war.

 

Aber - so bestimmten sie - wenn einmal einer käme, der am Sonntag geboren war und der die Blume an einem Karfreitag gefunden hatte, der würde die Wiege aus der Erde heben können.

 

Beim Graben und Herausheben dürfte aber kein Wort gesprochen werden, sonst würde die Wiege versinken und für immer verschwunden sein.

 

Nun lebte einmal in Leiferde ein junger Bauernsohn, der war ein solches Sonntagskind. Er hörte von der goldenen Wiege und wie man sie bekommen könnte. In einer hellen Karfreitagsnacht ging er auf den Wohlenberg und fand tatsächlich die blaue Osterblume, die vor ihm noch keiner gesehen hatte. Er merkte sich die Stelle und kam in der nächsten Nacht mit zwei Freunden zurück, bepackt mit Spaten, Schaufeln und Stricken. Keiner dürfte ein Wort sprechen, hatte er ihnen noch eingeschärft.

 

Lange suchten sie vergeblich, doch als sie an den richtigen Platz kamen , da öffnete sich die blaue Osterblume und leuchtete, obwohl es doch Nacht war. Das musste die richtige Stelle sein!

 

Sofort fingen sie an zu graben, bald stießen sie auf etwas Hartes. Vorsichtig räumten sie Erde und Wurzeln zur Seite, zuletzt mit bloßen Händen. Als sie zur Seite traten und das Mondlicht in die Grube fiel, waren ihre Augen schier geblendet von dem Glanz und der Schönheit der Wiege. Behutsam befestigten sie Stricke. Keiner sprach ein Wort. Man zog und zog. Oh, war das schwer! Da, als die schwere Wiege noch ein kleines Stück zu heben war, konnte einer das Tau nicht mehr halten. Es wollte ihm aus den Händen gleiten! "Hol wisse!" (Halt fest!) rief der Bauernsohn.

 

Doch das hätte er nicht tun dürfen!

 

Die Wiege versank wieder in der Erde, über ihr schloss sich die Grube ohne eine Spur zu hinterlassen. Seit dieser Zeit blieb die Wiege verschwunden, und es hat keiner wieder versucht, sie ans Tageslicht zu bringen.

 

(Quelle: Kulturring Leiferde)